Positive und negative Gedanken

Wir geben oder empfangen unaufhörlich geistige Elemente, wir sind wie eine elektrische Batterie, die Kraft entsendet und dann frisch gespeist werden muß. Wenn wir uns im Sprechen, Schreiben, Denken oder einer sonstigen Tätigkeit ausgeben, sind wir positiv, sonst negativ. In diesem negativen oder rezeptiven Zustand nehmen wir Kräfte und Elemente auf, die uns zeitweise Schaden oder dauernd Nutzen bringen können!

Es gibt vergiftete Geistesströme, wie es giftige Arsenik- oder Metalldämpfe gibt. Wer in passivem Zustand nur eine Stunde unter neidischen, haßerfüllten, zynischen oder unfreien Menschen in einem Zimmer sitzt, absorbiert von ihnen ein giftiges Gedankenelement voll Krankheit und zerstörerischer Kraft; ein Element, unendlich gefährlicher als chemisch nachweisbares Gift, weil seine Wirkungen subtiler und geheimnisvoller vor sich gehen, oft erst nach Tagen empfunden und dann irrtümlicherweise anderen Ursachen zugeschrieben werden!

Es ist von höchster Wichtigkeit, wo und in welcher Umgebung wir uns während des negativen Zustandes befinden, weil wir da, gleich einem Schwamm, mentales Fluidum absorbieren; und nach mehreren Stunden geistiger oder physischer Anstrengung, wenn wir positiv waren und Kraft ausgaben, ist der negative Zustand Naturrecht und Naturbedürfnis! Ihn künstlich zu unterdrücken oder hintanzuhalten, wäre verfehlt - aber Vorsicht tut not; nur unter sorgfältig gewählten Bedingungen ist es heilsam, sich ihm hinzugeben.

Wer in erschöpftem Zustand sich unter eine Menge unruhiger, fieberisch erregter Menschen begibt, wird von ihnen zwar nicht psychisch ausgesogen, denn er hat fast nichts zu geben, aber er nimmt, wenigstens vorübergehend, von ihrem inferioren Wesen in sich auf. Er hat, bildlich gesprochen, ein Bleigewicht an sein Leben gehängt! Er wird ,wenn auch nur für kurze Zeit, etwas von ihrer Art zu denken und die Dinge zu beurteilen, annehmen; er wird kleingläubig sein, wo er hoffnungsvoll war! Die Pläne, die ihm noch kürzlich stark, nah und der Erfüllung sicher schienen, wirken plötzlich wie ferne Nebel!

Er wird sich fürchten, wo er mutig zu sein pflegte! Wird unentschlossen werden und in der Verwirrung des Augenblickes vielleicht Dinge kaufen, die er nicht braucht, oder etwas sagen, etwas tun, einen Schritt in einer Angelegenheit machen, den er sicher nicht oder doch anders getan hätte, wäre er völlig er selbst gewesen; seine eigenen Gedanken denkend und nicht das umwölkte Gewirr der Masse um ihn her.

Müssen wir uns in eine Menschenmenge begeben, so soll es wenigstens nur dann sein, wenn wir mental am stärksten sind, um uns sofort zurückzuziehen, sobald wir anfangen, müde zu werden. Denn in den Stunden der Stärke sind wir der Magnet, der die schädlichen Ströme abstößt, denen wir im negativen Zustand wehrlos ausgeliefert wären! Positive Menschen sind Stürmer und Dränger - sie kommen am besten in der Welt vorwärts! Und doch ist es nicht gut, immer positiv Gedanken aussendend zu ein- wer es ist, wird dadurch viele wertvolle Einfälle von sich abwehren und forttreiben. Es muß eine Zeit geben, da das geistige Reservoir frisch gefüllt wird; je gründlicher der Inhalt wechselt, desto besser. Der positive Mensch, der immer jeden fremden Gedanken in Fechterposition erwartet, der sich nie Zeit nimmt, dem Neuen, Unbekannten rezeptiv entgegenzuhorchen, der Unwahrscheinliches mit Unmöglichem verwechselt, dem sein eigenes begrenztes Erkennen alleiniger Standard ist - so ein Mensch muß notwendig in dieser geistigen Attitüde verarmen und kraftlos werden! Umgekehrt gleichen die stets Negativen, die immer rezeptiv bleiben, immer die Meinung des letzten haben, den sie hörten, die sich durch ein Grinsen oder Achselzucken in ihren Plänen entmutigen lassen, diese Menschen gleichen einem Leitungssystem, das allen Schmutz und Mist durchläßt, bis alle Röhren verstopft sind gegen die wertvollen Ströme und sie unfähig werden, selbst positive Kräfte auszusenden.

Im allgemeinen gilt die Regel, positiv unter Weltmanen zu sein, negativ in der richtig vorbereiteten Einsamkeit. Wer in der Einsamkeit noch geistig mit seinen Widersachern weiterkämpft, gibt sich überflüssig aus.

Wer sich mit den Sorgen anderer belädt, hat Zeiten dieser völligen Einsamkeit besonders nötig. Da darf auch das Mitleid nicht herein, denn es zehrt von der Kraft, die gesammelt werden sollte, um dann besser Hilfe bringen zu können. Gleichwie ein Redner nicht die Stunde vor seiner großen Rede dazu verwenden wird, Kohlen die Treppe hinaufzutragen, um einen armen Taglöhner zu entlasten, denn durch das Kohlenschleppen würde er allen Glanz und alle Kraft und alle Inspiration in seinem Gehirne töten und vielleicht auch Gedanken, die direkt oder indirekt die Wege bahnen, um nicht nur diesen einen Taglöhner, sondern Tausende zu entlasten. Wer unaufhörlich mit den Massen verkehrt, muß notwendig viel von seiner Kraft im Mitschleppen fremder Atmosphäre vergeuden. Am schädlichsten macht sich das ununterbrochene Zusammenleben mit einer Person von niederem geistigem Range geltend; denn in den Zeiten der Passivität, die notwendig immer wiederkehren, werden wir den qualitativ minderwertigen Strömen unterliegen, ganz gleich, welchen Namen die Beziehungen zu dieser Person tragen - ob wir im Verhältnis eines Bruders, Sohnes oder Gatten zu ihr stehen. Denn von zwei Menschen, die verschiedenen geistigen Sphären angehören und doch im Gemüt enge verknüpft sind, wird immer die feinere, höhere und wertvollere Natur leiden und herabsinken, weil sie absorptionsfähiger ist, während die niedrigere Natur immer nur einen Teil des ihr Gesandten aufzunehmen vermag; der Rest geht verloren, nutz- und sinnlos!

Richtiger menschlicher Verkehr ist das größte Agens, um Glück, Gesundheit und Erfolg zu erlangen. "Verkehr" bedeutet hier etwas, das weit über physische Nähe hinausgeht! Nah sind wir einem Menschen kraft der Intensität, mit der wir uns psychisch mit ihm beschäftigen - die räumliche Entfernung seines Leibes spielt da keine Rolle Wer lange mit einer tieferstehenden Natur verbunden war, vermag daher nicht gleich die Wellen geistigen Verkehrs zu hemmen, die ihm von dieser Quelle gewohnheitsmäßig zugesandt werden. Er muß vergessen lernen, er darf ihrer nie feindlich gedenken, sondern gar nicht; so allein schneidet er die unsichtbaren telepathischen "Drähte" entzwei und ist befreit! Klingt das kalt, hart, grausam? Aber welchen Sinn kann es für zwei Menschen haben, in einer Erinnerungsverbindung zu bleiben, die einen oder beide Teile schädigt ? Denn leidet ein Teil, so muß im Lauf der Zeit auch der andere leiden! - Ebenso unrichtig ist es, zur "Erholung" also im passiven Zustand, spannende Romane zu lesen, von den Gestalten sich durchdringen zu lassen, sozusagen Kolportageschicksal einzuatmen in Zeiten eigener Schwäche und Rezeptivität.

Während des Essens sollte man besonders passiv sein. Wer Nahrung, also Material zum Aufbau seines Körpers einnimmt, darf dies nur in ruhiger, ausgeglichener, freudiger Stimmung tun! Essen und nörgeln oder mit anderen disputieren oder Geschäften nachsinnen aber heißt positiv sein gerade zu der Zeit, wo absolute Negativität geboten wäre. Ob dies Nörgeln und Disputieren nur in Gedanken geschieht oder sich laut äußert, ist natürlich ganz gleichgültig Ebenso ist es schädlich, wenn eine andere Person am Tische sitzt, die solchen Gemütszustand nährt, gegen die man sich innerlich wappnen muß, die man duldet - denn schon das erfordert eine Kraftausgabe, ist positiv. Nur Menschen, die in reinster Sympathie leben, dürften Tischgenossen sein. Wer viel allein ist, zieht Ströme verwandter Geistigkeit an sich; der Raum, der durch längere Zeit mit eigenen Gedanken geladen wird, ist eben ein stärkerer Magnet! Wir leben dann in einer feineren und höheren Welt, Einflüsterungen zugänglich, die vielleicht erst als Hirngespinste scheu im Innersten verschlossen werden. Dann regt sich eines Tages wieder der Trieb nach Geselligkeit, man nimmt, was sich bietet, oder läßt sich hineintreiben in den Strom. Die innere Welt wird zertrümmert, die Einflüsterungen erscheinen plötzlich im Licht der Alltagsmeinung als "barer Unsinn"; der "gesunde Menschenverstand" fängt wieder zu plappern an und kritisiert und schwadroniert mit der blökenden Herde. Später, wenn wir wieder allein sind, kommt ein Gefühl tiefer Unzufriedenheit und Mißstimmung über uns , eine vage Selbstanklage, daß wir die Rechte unserer Seele verleugnet hätten! Viele hohe Geister leiden unter der Last parasitärer Gedanken, die sich an sie klammern und sie unbewußt tief schädigen.

Gewiß, niemand soll und kann dauernd einsam sein; wer aber die Kraft hat, die niederen Verbindungen abzuschneiden, eröffnet damit schon den höheren den Weg. Wer die Kraft hat zu warten, zieht in der Welt der Erscheinungen solche Menschen auf seinen Geselligkeit bieten soll. Seine höchsten Gedanken sind das Bindeglied zwischen ihm und den Herren eben dieser Gedanken. Durch Festhalten seiner niedrigen Elemente aber scheidet er sich von der höheren Welt, an der auch er schon bis zu einem gewissen Grade teilhat. Was ist denn der sogenannte gesellige Verkehr mehr als ein Dulden und Geduldet werden, mehr als ein ewiges Wiederkäuen der gleichen Worte, Gebärden und Gedanken jahraus, jahrein. Das sind die Toten, die man ihre Toten begraben lassen soll!

Wirkliches, lebendiges Leben ist ein Zustand unendlicher Mannigfaltigkeit, ein Eröffnen geistiger Strömungslinien, auf denen ein immerwährender Austausch von Kräften und Ideen stattfindet zwischen verschiedenen Geistern gleicher Stufe - das sind die Quellbrunnen, die aufsteigen in das ewige Sein!

Eine Quelle der Jugend: Jugend des Leibes und Jugend des Geistes, ist die Fähigkeit, augenblicklich den ganzen mentalen Apparat positiv zu machen, wenn niedere, gröbere Gedanken in der Nähe sind, sich aber aufbauenden Strömen gegenüber negativ oder rezeptiv zu verhalten!

Immer den Mut wie eine Flamme vor sich tragen!

Nichts fürchten und nichts unmöglich nennen!

Kein Individuum hassen - nur seinen Irrtum meiden!

Alle lieben - das Vertrauen aber vorsichtig und weise verteilen!

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